Dellbrücker Heide – Höhenfelder See

50º59'11.764 | 7º3'26.672

Dauer
03:28
Distanz
13,5 km
Kommot

In der Umgebung Köln sind wirklich viele schöne Orte zu finden. Leider muss man nur explizit danach suchen, zumindest wenn man normalerweise nur mitten in der Stadt ist. Vor einigen Wochen bin ich gemeinsam mit meiner Freundin 4,5 Stunden aus dem Kreis heraus, in eine Richtung gelaufen. Vielleicht hatten wir einfach nur sehr viel Pech, aber aus der Stadt haben wir es nicht heraus geschafft. Wir suchen deswegen ein näheres Ziel. Die Dellbrücker Heide trifft sich da ganz gut, diese ist easy mit der Bahn zu erreichen.

Wir nutzen deswegen das erste mal eine App (Kommot), leider ohne die tollen Funktionen, was der Tatsache geschuldet ist, dass einfach mein Handy nicht aktuell genug ist, um die App herunterzuladen. Ich mache mir dennoch vorab ein Screenshot, in dem Wissen, dass das nicht reichen wird.

 

 

Röhrchen im Röhrchen

Wir steigen in Köln Holweide aus der Bahn raus. Dann dauert es auch gar nicht lange, circa fünf Minuten, bis wir von Straße und Stadt zu einem Zaun gelangen, hinter dem das Naturschutzgebiet liegt. Doch bevor wir das Gelände betreten, kann meine Freundin nicht anders als noch ein grünes Röhrchen zu entdecken, komplett ohne Hilfsmittel. Ich habe bereits in “Irgendwo Ratingen” beschrieben, wie wir aus durch puren Zufall auf ein Geocache gestoßen sind. Dabei witzeln wir darüber, wie seltsam es ist, dass man sein Leben lang an diesen Scheiß-Rohren vorbeigelaufen ist, ohne nur im geringsten Mal darauf zu stoßen oder aber zu hinterfragen, was es damit auf sich hat. Wir unterschreiben auf jeden Fall nicht.

 

 

Kaum Heiden auf der Dellbrücker Heide

Wir laufen jetzt ein Stück weiter neben den Bahngleisen, hinter dem Zaun. Laut meiner improvisierten Map hätten wir eigentlich bereits jetzt einen anderen Weg gehen sollen, dieser ist aber zu diesem Zeitpunkt verschlossen bzw. nicht zu begehen. Dabei wären wir an einem kleinem See vorbeigekommen und ein wenig tiefer durch die Dellbrücker Heide gelaufen. Es ist aber nicht so schlimm, trotz unmittelbarer Schwierigkeiten, finden wir dennoch unseren Weg durch die Heide.

Und die Dellbrücker Heide ist dennoch wirklich schön. Das ganze erinnert mehr an eine Art europäische Tundra und Savanne. Habe ich zwar noch nie in meinem Leben gesehen, aber so stelle ich es mir zumindest vor. Überall schaut das Gras sehr trocken und sehr willkürlich aus. In der Weide stehen wenig Bäume. Um diese Fläche sind händisch Äste, Dreck und allerlei so Gemisch zusammengeschoben worden, was wahrscheinlich als eine Art Zaun funktionieren soll. Auf einem kleinen Vorsprung kann man über einen regulären Zaun in das Gelände der Dellbrücker Heide hineinschauen. Tiere sehen wir nicht.

 

 

Bisschen Vino, bisschen Musik, bisschen schwimmen

Der Weg ist bis hier wirklich auffällig schön. Die Dellbrücker Heide bietet viele unterschiedliche Abzweigungen und zu anderen Zeiten wohl auch einen wunderschönen See. Dadurch, dass wir aber gerade erst losgegangen sind und den Weg überhaupt nicht einschätzen können, spurten wir leider ein wenig.

Wir gehen einen kleinen Berg hinab, laufen durch Graslandschaften und geraten dabei schnell an ein Stück Wald, durch dessen Bäume wir den Höhenfelder-See erkennen können. Es ist sehr ruhig, nur einige junge Leute sind am Wasser, hören entspannt Musik und sitzen in kleinen Gruppen nebeneinander. Wenn es etwas wärmer wäre, vielleicht sogar ein wenig später, kann ich mir sehr gut vorstellen, dass dies der perfekte Platz ist um mit seinen Freunden schnell aus Köln heraus ein ruhiges Bier zu trinken.

 

 

Nackte Tischtennisspieler am Höhenfelder-See

Der Übergang von Dellbrücker Heide zu Wald, von Wald zu See, von See zu weiter schön ist fließend. Wir setzen uns einen Moment an das Wasser, genießen die morgendliche Ruhe, atmen durch, machen Fotos und gehen dann weiter. Es wächst viel Farn am Wasser, was meiner Meinung nach gerade Seen nochmal um vier Stufen upgradet.

Leider vertue ich mich wieder mit meiner improvisierten Karte. Ich biege mit meiner Freundin zu früh ab und wir verpassen so noch eine längere Zeit an dem Höhenfelder-See entlang. Dabei verirren wir uns tiefer in einem dichten Wald, der uns Richtung Stadt bzw. Vorort lenkt. Dabei passieren wir nackte Tischtennisspieler, die die Gunst des morgens für sich nutzen, um bereits um 15 Uhr besoffen auf den Platten zu tanzen. Es schaut nach sehr viel Spaß aus.

 

 

Vom Wildgrillen in den Wildpark

Wir versuchen durch eine angebrachte Karte am Rande des Waldes wieder zurück auf unsere eigentlich Route zurückzufinden. Dabei entscheiden wir uns für die Straßenbeschilderung “Zum Wildpark”. Das kann ich zwar von meinem Weg nicht mehr ablesen, aber ich meine mich an die Tiere zu erinnern. Wir laufen einige Minuten an der wirklich außergewöhnlich gepflegten Straße entlang, wobei uns auffällt, dass die Häuser direkt an der Straße alle aus schönem Holz gebaut wurden, die dahinter, dann natürlich wieder scheiße.

Dabei lachen wir noch einige Minuten über die kleinen Gärten, die parallel zu der wirklich nicht wenig befahrenen Straße entlang führen, da die Besitzer wohl sich an dessen nicht wirklich stören. Der Grill ist scharf gestellt, auch wenn der kühle Windzug im Nacken wohl eher von der Schnellstraße verursacht wird. Dann finden wir den Weg in den Tierpark!

 

 

Wildschweine & versteckte Rehe

Dabei ändert sich erstaunlich die Waldarchitektur. Die Bäume im Tierpark wirken so gar nicht klassisch, passen dennoch perfekt in den Rest. Das ganze erinnert mich mehr an Skandinavien, statt Heimat für Wildschweine und Rehe, wobei ich dazu sagen muss: Ich hab echt null Plan wo, die überall leben.

Hier ist es dann auch ganz schön voll. Vor alle dem die Elternfraktion hat sich den Park als Ziel ausgesucht, um die Kinder ein wenig laufen zu lassen. Aber auch ein süßes Pärchen, mit einem erwachsenen behinderten Bruder laufen entspannt neben den Gruppen entlang, zeigen sich gegenseitig, wo sie die verstecken Rehe vermuten.

 

 

Die perfekte Länge der Geduldschnurr

Nach den Wildschweinen, die wirklich heftig nach Maggie riechen, erstreckt sich der Rest des Tierparks mehr und mehr in den skandinavischen Nadelwäldern. Tiere konnten wir zumindest keine mehr sehen, wir sind allerdings auch ziemlich planlos durch den Rest hindurch gelaufen.

Ich kann ehrlich gesagt auch gar nicht mehr zu diesem Teil erzählen. Es war schön, es lohnt sich, es lohnt sich bestimmt mehr mit geduldigen Leuten. Ich bin eh nicht der Fan von lange an einem Ort stehen bleiben. Eine Zigarettenlänge – vielleicht auch zwei, aber sonst muss es schon eher ein strammer Schritt sein. Die Tatsache das hier Tiere eingesperrt sind, gerade Tiere, die eigentlich auch in Deutschland frei leben, finde ich jetzt auch nicht so geil. Man muss aber wirklich sagen: Ich habe bisher noch nie größere Gehege gesehen, als diese hier.

 

 

Von Wald zu anderem Wald

Der bisher spannendste Platz war dann aber der, wo wir uns dazu entschieden aus dem Park herauszugehen. Der fließende Übergang der Natur ist dabei, wie der von Wasser und Öl: Einfach nicht vorhanden. Im Grunde hast du das Gefühl eine Tür aufzumachen und sofort in dem nächsten Waldstück zu stehen, nur das dieser sich rein optisch stark von dem zuvor abhebt.

Wer diesen Weg hier in Zukunft ebenfalls langgeht: Kann mir mal einer sagen, ob ich einen an der Waffel habe oder ob ihr auch ununterbrochen so ein lautes Summen hört. Das Ganze war echt nur leise, aber verfolgte einen den gesamten Weg aus dem Waldstück heraus. Es klang ein wenig so, wie ein riesiger Insektenschwarm, der im Inneren des Waldes sich zu “Dem Schwarm” bildet.

 

 

Fucking Turtles!

Das Bild über diesem Text hier ist dann im übrigen “mein” absolutes Highlight des Tages. Da sitzen da einfach zwei verdammte Schildkröten auf dem Wasser! Der Weg dahin ist spannend. Wir laufen durch einen unglaublich schönen, lichtdurchfluteten Weg. Die Sonne scheint uns in die Fresse, es ist warm, nicht zu feucht – und auf einmal stehen wir auf einer kleinen, befahrenen Straße und vor uns steht dieses riesige Stahldingens vor uns, mit den Worten: “Was kann man besseres tun …”. Im Moment absolut nichts!

Unmittelbar an der bunten Stange sehen wir durch ein paar Sträucher wieder das kühle blau. Dabei bin ich ein wenig genervt, denn ich bin mir absolut sicher, dass wir einmal im Kreis gelaufen sind, wieder nicht unseren ursprünglichen Weg gefunden haben und jetzt im Grunde nur wieder zurückgelaufen sind. Ist aber Quatsch: Ich schlängele mich einen kleinen Abhang Richtung Wasser herunter, erhasche mir einen Blick über den kleinen See und raste voller Freude vollkommen aus. Da sitzen da einfach zwei Bowlingkugel große Schildkröten und winken sich gegenseitig zu. Der Platz ist perfekt und schreit gerade nach einer richtig intensiven Kippe.

 

 

Gesamtkulisse der Tour kickt

Danach bin ich mir sicher: Der Umweg war das beste, was uns hätte passieren können, oder zumindest dieser kleine See hier. Man muss dazu sagen: Uns gegenüber sitzen sogar auch Leute an einem kleinen Strand und spielen mit ihrem Hund. Das ist also jetzt hier kein geheimer Platz, wir waren nur so faul und haben uns nicht zu diesem Platz hinbewegt, sondern lieber die Route “Luftlinie” probiert. So konnten wir zwar nicht unsere Füße durch das Wasser streifen lassen, aber zumindest Turtle-Voyeur spielen.

Wir sind jetzt auch wieder auf der korrekten Route. Und der erst des Weges ist tatsächlich weiterhin beeindruckend schön. Immer wieder durchführt man einen Wechsel der Gesamtkulisse, streift von Wald auf Feld, von Feld zu Wald, von Wald zu Lichtung. Und die Lichtung ist auch noch ein deutliches Highlight. Wir haben den Moment abgepasst, wieder einmal die Sonne zu unseren Gunsten und können über die gesamte Lichtung das Spiel von Schattenlegenden Wolken und tanzenden Sonnenstrahlen sehen.

 

 

Ab wann bin ich Spießer?

Und am anderen Ende der Lichtung sieht man dann diesen perfekten Hof. Also diesen einen Hof, den man sich nach einer stressigen Woche in der Stadt immer mit seinem Partner wünscht. “Wenn wir mal Spießer sind, dann kaufen wir diesen Hof.” – “Du meinst, wenn wir Spießer mit Geld sind, oder?! Weil echt mal, wir sind an unserem freien Tag wandern. Wir sind Spießer!”

Da reiten dann im Hintergrund einige Personen in den Wald hinein, während wir langsam aus dem Dickicht herausgehen, noch ein natürlich auch wieder “wunderschönen” Hof begutachten, dann uns auf ein ebenso tolles Hotel konzentrieren, darüber streiten ob das ein guter Standort für so etwas ist, versuchen in die Gaststätte einzutreten, leider diese aber geschlossen ist und schließlich wieder mitten in Köln stehen. Wir fahren mit der Bahn heim, vorbei an der Dellbrücker Heide, zurück in den Großstadt-Dschungel.