Köln Worringen am Rhein & Bruch
Köln Worringen am Rhein & Bruch

Die Weiten von Worringen

51°03'59.9"N | 6°52'44.6"E

Ausblick auf wehende Wiesen
Dauer
02:11 H
Distanz
9,26 km

Ich bin mich unglaublich am freuen, als ich endlich mein neues Handy in der Hand halte. Denn für mich bedeutet dass: Ich kann endlich raus gehen und einen “vorgeschlagenen” Weg gehen, meine Routen und Wege berechnen lassen, abspeichern etc.. Vor der Abreise nach Worringen war mir allerdings noch nicht klar, dass ich nicht mal einen Tag später mein Handy an meine Freundin abgeben sollte, die es einfach dringender benötigt als ich.

Trotzdem: Ich muss mein Handy ausprobieren. Also packe ich mir meinen Brustbeutel, meine Kamera und suche nach eine Route in der Umgebung, die ich easy ab dem Bahnhof belaufen kann. Ich entscheide mich für den Rhein – in Köln Worringen. Sieht in der Kommot App nicht so naice aus, aber leicht zu erreichen, soll maximal 2 Stunden dauern, dauert für mich also maximal 4 Stunden, und die habe ich gerade.

 

 

Von Anfang an Gut

Es ist ultra angenehm, statt Gewitter haben wir den perfekten Blockbuster Himmel. Ich Striegel am Bahnhof los, diesmal alleine, diesmal mit Ahnung vom Weg. Und das klappt erstaunlich gut. Auf den Meter genau werde ich getracked, ziemlich geil!

Und genau das erspart mir wildes suchen, denn es dauert keine 5 Minuten und ich befinde mich im Naturschutzgebiet. Es dauert keine weiteren 3 Minuten, und ich kann kaum mehr ein Haus sehen, Autos hören, oder andere Menschen antreffen. Der Weg scheint echt sich als Schatz herauszustellen, evt. bin ich aber auch einfach nur derbe gut drauf und mega motiviert dank neuer Smartphone Technologie.

 

 

Kiosk am Waldrand, fast

Um mich herum wird es echt immer besser. Der erste Waldabschnitt ist immer ein wenig tiefer gelegener, als der eigene Weg. Das sorgt für eine wunderbare Aussicht über die Gräser und Baumstrukturen vor mir. Das ganze sorgt für eine beinahe sumpfige Erscheinung, dadurch dass der Untergrund wirklich komplett bewachsen ist. Der flauschig, bewachsende Boden ist dazu noch erkennbar hoch gewachsen, so dass die Baumstämme einfach irgendwo in dem Dickicht verschwinden.

Der Waldweg endet mit einer weiten Aussicht auf ein Feld und einige Häuser. Hier scheint es fast so, als ob ein komplett autonomes Dorf außerhalb der Stadt, hinter diesem Waldstück liegt. Was natürlich kompletter quatsch ist. Die romantische Vorstellung verfällt auch, als ich in ein absolut assiges Kiosk hineingehe, welches mich hardcore an meine Heimatstadt erinnert. Und zwar nicht an die ansprechenden Stellen.

 

 

Specht und Reh

Ich tue diesem Ort jedoch unrecht. Weniger Meter außerhalb dieses Chaos versinke ich wieder in der Natur. Und ein älterer Mann inspiziert mich, während ich in weiter Ferne gerade dabei bin ein Haus auf dem Feld zu fotografieren. Er spricht mich an. Da ich die Kopfhörer aufhabe, bin ich mir ziemlich sicher nun eine unangenehme Unterhaltung darüber führen zu müssen, warum ich fremdes Eigentum ablichte.

Ich irre mich, der alte Mann fragt danach wonach ich genau auf der Suche sei. Nachdem ich mich misslich erkläre, weißt der gute Herr mich auf Spechte, Rehe und andere Wildtiere hin, die regelmäßig am Worringen Bruch zu beobachten sein. Er findet gut, was ich mache. In die Natur gehen, rauskommen, die Umgebung genießen. Denn Mann hätte ich am liebsten in meine Tasche gepackt und mitgenommen.

 

 

Die Bank für die Kippe

Hinter einem kleinen Aufpfad, entlang einiger Häuser, entdecke ich eine Bank, die perfekt auf das Szenario vor mir positioniert. Gleich wie bei einem Damm, liegt vor mir eine Erhöhung und dahinter “Gräserne Dühnenlandschaft”.ist entlang des oberen Teiles eine Art Fahrradstraße angelegt. Mit Blick herab, von dem “sozusagen Damm” herunter, thront eine dorre Wiesen Dühne. Unmittelbar dahinter liegt der Rhein. Den kann ich zwar von hier aus noch nicht sehen, ist aber eindeutig zu erahnen.

Es ist verrückt, die Aussicht von der Bank bietet ansatzweise Gefühle von Meer. Es ist friedlich, es ist ruhig und nur der Wind im Gras sorgt für Bewegung vor einem. Das ist nicht unüblich, aber nach knapp 20 Minuten Bahnfahrt und gerade mal einer halben Stunde Fußweg an solch einen Ort zu geraten, gerade wenn man aus der Innenstadt Kölns fährt, fast undenkbar.

 

 

Dünen am Rhein Worringen

Die offene weite dieser Dünen-Ähnlichen Felder ist fantastisch. Und nahezu ohne Fußgänger. Bis auf einen oder zwei Fahrradfahrer, die auf dem Damm etlang fahren, ist zumindest an diesem Tage absolut keine Menschenseele zu erblicken. Ich rauche genußvoll meine Zigarette auf der Bank zu Ende, bevor ich aufstehe, mein Handy wieder aus der Tasche hole und mich dann abwärts begebe.

Der Weg geht noch einige Minuten durch das offene Dünen Feld. Ein kleines, auffälliges Stück “Gepflasterter Weg” kreuz meine Strecke. Unmittelbar neben diesem kleinen Stück liegt zu meiner linken ein Kinderschuh liebevoll auf einem Stein. Da muss ich ehrlich sagen: Ein Kinderschuh ist mir hier leichter erklärt, aber kennt ihr das, wenn eindeutig ein paar Socken, oder ein Pullover von einem erwachsendem Menschen an so random Stellen rumliegt?

 

 

Industrie & Natur in Symbiose

Noch ein winziges Stück weiter, eine minimale Erhöhung nach oben, verschwinden die Blickbarrieren auch an den Seiten von mir. Die Bäume und Büsche schwinden und ich sehe in beide Richtungen jeweils den Horizont. Nur das dieser dann irgendwann in der Ferne mit Industrie mündet. Aber es ist nicht schlimm, denn dafür laufe ich jetzt am Rhein entlang. Links und Rechts liegt Zaun.

Der Zaun scheint mir nur nicht sonderlich hilfreich zu sein. Wenige Meter weiter, muss ich durch eine Art Schranke gehen, die mich auf die andere Seite des Zaunes bringt. Die Kühe, mit denen ich jetzt zusammen nicht wirklich eingeschlossen bin, interessieren sich wirklich garnicht für mich. Ich gehe den Weg weiter am Rhein entlang.

 

 

Immer weiter am Rhein entlang

Und hier geht der Weg eine gute halbe Stunde einfach gleichbleibend schön weiter. Während rechts der Rhein, einige Bäume, einige abgestorbene Stämme stehen, liegt links Feld, Wald und dann wieder Feld abwechselnd. Der Himmel zieht sich langsam zu einer dunklen Masse, ich beeile mich deswegen, da ursprünglich sogar Gewitter angesagt war.

Ich verlasse das Geländer durch einen ganz ähnlichen Zaundurchgang, wie am Anfang. Unmittelbar dahinter entferne ich mich wieder vom Rhein und laufe einen weiten Feldweg entlang. Leider habe ich jetzt auch meinen letzten Podcast durchgehört, meine Podcast-App bietet jetzt keine breitere Auswahl an Folgen an, die mich normalerweise in den Bann ziehen. Keine Zeit um sich etwas neues rauszusuchen, ich starte also eine meiner liebsten Playlist – Alternative Beats.

 

 

Roter Sand am Worringen Weizenfeld

Den rot-sandigen Pfad entlang, ertappe ich mich selbst, wie ich zu jenem Wesen mutiere, welches ich sonst auf der Straße nur abschätzig belächele. Ich singe und tanze, nicht zu auffällig, aber zumindest wippe ich zu dem gehörten Beat und summe lauter als normal die Melodie mit. Die Scham breitet sich aus. Ich drehe mich hektisch umher, in der Hoffnung von niemandem gesehen worden zu sein. Und natürlich ist hier auch niemand, der mich beobachtet – auf dem ganzen Weg ist mir ja bisher keiner über den Weg gelaufen, bis auf den alten Mann.

Selbst auf den Schnellstraßen, an denen ich nun einen kurzen Augenblick entlang laufen muss: Keine Menschenseele. Nicht ein Auto! Ich laufe frei auf der Straße, mit Kopfhörern in den Ohren und diesmal ein bisschen auffälliger am wippen. Ich verlasse die Straße und folge einem Weg aufs Feld.

 

 

Highlight um Köln

Zu meinem Erstaunen wird der Weg nicht weniger schön. Allein der Pfad selbst gleicht einer romantischen Vorstellung von “Leben auf dem Land”. Oder zumindest meiner Vorstellung. Ich weiß ehrlich gesagt auch nicht bis wohin sich Worringen streckt, ob das wirklich nur dieses ländliche Gebiet ist, ob man in Worringen überhaupt wohnen kann etc., aber bisher einer meine absoluten Highlights in Umgebung oder sogar in Köln.

 

 

Bienenstamm am Worringen Bruch

Und wie schon erwähnt, es wird ein wenig dunkler, einen ersten Tropfen habe ich bereits abbekommen. Aber es hindert mich nicht, mich bestimmt zehn Minuten mit den Bienenkästen vor mir zu beschäftigen. Wie geil ist das denn bitte? Da hat jemand in diesem Teil der Stadt einen einsamen Hof auf dem Land, und imkert zusätzlich hier noch rum? Ich versinke in meinem Neid.

Dabei beachte ich leider nicht die zunehmende Wolke an Bienen, die sich mittlerweile aus allen Kästen breit macht. Vielleicht waren es auch schon vorher mehr, jetzt fallen sie mir jedoch auf und das surren irritiert mich dann auch ein wenig. Ich gehe wieder zurück und folge meinem Weg dem Feld entlang den Feldern.

 

 

Nervenkitzel am verbotenen Wald

Woraus werden diese Teile eigentlich gebaut? Sind das diese Kisten, die es im Sport-Unterricht früher an der Schule immer gab? Die sehen sich zumindest ähnlich. Meine Tour in Worringen endet nun langsam, das gibt mir zumindest mein Handy zu verstehen. Tatsächlich begegne ich nun auch der zweiten Person auf dem gesamten Trip, ein Indiz für Nähe zum Bewohnten.

Nach Bienen folgen weite Felder, entlang eines Waldstückes, welches man laut Beschilderung auch garnicht betreten darf. Die benannte Person, läuft jedoch genau aus diesem Teil des Waldes heraus. Ein bisschen kitzelt es mich schon, zumindest mal rein zuschauen, den “Hardcore-Adrenalin Kick” zu erhalten, etwas so dermaßen Verbotenes zu machen. Auch der Frau, die dekoriert mit ihrem Vierpfoter aus dem Schattenreich rausstiefelt, sehe ich den Nervenkitzel noch an.

 

 

Fazit: Worringen unbedingt ausprobieren!

Ist natürlich Quatsch. Ich laufe tiefen entspannt, erheitert noch immer von permanentem Naturspiel weiter den Weg entlang, bis das letzte Stück mich an die Hauptstraße bringt. In der Ferne kann ich bereits die Autos sehen, auch wenn der Wald vor mir noch die Soundkulisse unterbindet.

Aus dem Wald heraus, laufe ich knappe fünf Minuten wieder an der Hauptstraße entlang, Richtung Bahnhof. Dabei fällt mir der merkwürdige Turm neben mir auf, der sowas von unwichtig ausschaut, dass ich diesen nicht mal mehr als letztes Bild hier in den Beitrag reinpacke. Dafür war der Rest der Tour einfach zu genial. Ich steige in die Bahn ein und sehe wie die ersten Tropfen vom Himmel fallen. Auch wenn diese mich bereits die letzten 50 Meter genervt haben, für den Abschluss der Geschichte ist es schöner, wenn es erst dann anfängt.

 

 

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.