Hinter dem Wald steht ein weißes Haus am Rhein
Hinter dem Wald steht ein weißes Haus am Rhein

Fahrrad, Fähre & Fast Kein Köln Mehr

50°49'32.2"N | 6°59'07.8"E

Ein Sturm über trockenem Feld
Dauer
03:36 H
Distanz
49,3 km

Das wird meine erste Fahrradfahrt seit Jahren. Ich habe mich bestimmt schon keine zehn Jahre mehr auf so ein Ding geschwungen. Was nicht ganz stimmt, da ich im vorherigen Jahr noch mit meiner Freundin in Wuppertal entlang der Trasse gefahren bin. Sie auf Rollerblades, ich auf dem Fahrrad. Und sie hängt mehr an dem Gepäckträger, als dass sie selber fährt. Und jetzt nehmen wir uns eine komplette Fahrradtour am Rhein entlang direkt vor?

Jetzt fahren wir hier zumindest beide bei dieser Tour Fahrrad. Und ich sogar auf einem Bike, was auf meine Größe angepasst ist. Dafür leihe ich mir ein eigenes. Das hole ich mir dann sogar aus einem Shop ab, obwohl es sicherlich auch bequemere Möglichkeiten gegeben hätte. Nur aus der Erinnerung heraus, sehen diese die Fahrräder, die an den Straßen via App zu leihen sind, immer extrem scheiße und auffällig aus. Ich zahle 30 € für den ganzen Tag, schmeiß mich auf das Rad und fahre unsicher wie ein junges Reh Richtung Rhein.

 

 

Crêpe knallen unter den Kranhäusern

Ultra beschissen, solange kein Rad mehr gefahren zu sein. Ich muss mich echt konzentrieren nicht sofort mich breit auf die Straße zu legen, so bescheuert das auch klingen mag. Fahrradfahren kann man wohl doch verlernen. Mein Glück ist, dass nur die ersten Meter entlang der Straße führen, wir aber nach circa fünf Minuten an den Rheinpromenaden ankommen und so nur noch das durcheinander der Touris zu Problemen führt.

Wir rasen dann jedoch innerhalb weniger Minuten an den bekannten Kranhäusern vorbei. Und während wir bereits nach knapp einem Kilometer die erste Pause machen, uns einen schokoladigen Crêpe reinknallen, wird mir dann auch schon klar: Das wird echt anstrengend. Denn meinen Körper spüre ich schon jetzt.

Allerdings dient diese Pause mehr einem zweiten Startanpfiff. Die ersten Meter wollten wir lediglich schnell skippen, da gerade an einem Wochenende die Rheinwege nahe der Stadt unsäglich voll sind. Wir starten also genau genommen hier: Am Skater platz hinter den Kranhäusern beginnen wir unsere Fahrradtour am Rhein.

 

 

Fahrradtour am Rhein beginnt

Wie man vielleicht anhand der Bilder sich schon denken kann: Das Wetter wird milder. Wolken ziehen dichter auf und die zunehmende Wärme nimmt langsam wieder ab. Dabei ist im Grunde kein Wind zu spüren. Wahrscheinlich das bestmögliche Szenario für eine längere Fahrrad-Tour. Wahrscheinlich das bestmögliche Szenario für Anfänger. Wir fahren auf die Rheinbrücke Köln-Rodenkirchen und überqueren den Rhein.

Und bis hierhin ist es auch wirklich schon ziemlich schön. Aus der Stadt heraus fährt man stetig auf geraden Wegen stetig am Rhein entlang. Noch auf der Dom-Seite ist der Weg angenehm zu befahren und ohne großartige Gegenverkehr. Einzig allein der Aufweg zur Brücke sollte sich auch im Nachhinein als einzige, wirkliche Höhenmeter herausstellen, die zu bewältigen sind.

 

 

Plan B hinter der Rheinbrücke Köln-Rodenkirchen

Wir fahren auf der anderen Seite der Rheinbrücke Köln-Rodenkirchen ab und finden uns leicht ländlicher wieder. Unmittelbar an der Abfahrt findet sich ein kleines Feld mit Blick auf Stadt. Davor sind einige, auffällige Wildblumen. Wir machen einen weiteren Break und genießen kurz das erste bisschen Natur. Dabei lasse ich mir unauffällig ein bisschen mehr Zeit als sonst, um die Blumen genauer zu fotografieren. Eine Verschnaufpause habe ich natürlich noch nicht nötig.

Dabei denke ich darüber nach, das ich im ZDF in der Sendung “Plan B” erst noch vor kurzem gesehen habe, dass es ökologisch am sinnvollsten ist, eben genau jene Wildblumen um die eigenen Felder sprießen zu lassen, da diese mehr Bienen und andere Insekten anlocken, die dem eigenen Anbau nicht schaden, sondern helfen. Vielleicht hat dieser Bauer ja auch Plan B gesehen, vielleicht muss dieser Bauer dafür aber auch nicht ZDF geguckt haben.

 

 

Waldpassagen, Vorstadt & Freie Aussichten

Doch nach kurzer Natur kommt erst einmal wieder dieser “Vorstadt-Charakter”. Wir fahren schnell an Camping-Plätzen, kleinen Waldpassagen und ein wenig Straße vorbei. Dabei begegnen uns Familien, ältere Leute und weitere ruhige Artgenossen. Es dauert dann aber gar nicht mehr lange, bis wir an ein Stück Weg gelangen, welches wir zuvor auch bei Spaziergängen aufgrund der Entfernung nicht passierten. Jetzt sind wir also offiziell weiter entfernt, als ich bereit bin von zu Hause aus zu Fuß zu laufen.

Und ab diesem Zeitpunkt folgt ein unglaublich, schöner Weg, der maßgeschneidert auf Fahrrad-Touren wirkt. Links wechselt ständig Natur, von freier Aussicht, zu waldiger Aussicht. Und recht bleibt immer der Rhein im Blickfeld. Hier lässt sich erstmalig staunend Strecke machen. Denn ohne die Hilfe eines Fortbewegungsmittels hatte ich es bisher nicht geschafft, in der direkten Nähe von Köln ähnlich beeindruckende Stellen Natur in der Größenordnung zu entdecken.

 

 

Urlaubs-Resort nahe Köln

Wir genießen andauernd die neuen Aussichten. Ein Hoch auf Fahrradfahren! Ich begebe mich nicht, wie beim Wandern nur langsam durch die einzelnen Biome, sondern bekomme auf guten Strecken ständig Abwechslung geboten, hier beinahe im Minuten Takt. Ich entschließe mich dazu mir ein Fahrrad nach der Heimreise zu bestellen. Natürlich noch ohne zu Wissen, welche Schmerzen mich am nächsten Tag erwarten.

Während diesem Teil der Strecke sprechen meine Freundin und ich nicht sehr viel. Ist das normal auf Fahrrad-Touren? Oder nur auf Strecken, auf denen nebeneinander herfahren definitiv keinen Sinn ergibt? Ständig überholen uns jüngere Leute auf E-Scootern, manchmal auch auf dem Fahrrad. Die Wege werden langsam wieder voller und bunter.

Etwas weiter, ungefähr nach dem ersten Viertel der Gesamtstrecke, verändert sich dann der Ausblick nach Links. Wir durchfahren auf einmal eine Art Urlaubs-Resort. Dabei wird die Aussicht auf Wald und Feld durch eine hohe Schutzmauer aus grauem Stein ersetzt. Und am oberen Ende dieser Mauer liegen teure, beeindruckende Häuser, deren Mietpreise wahrscheinlich, dank der Lage, nicht zu unterschätzen seien sollten.

Aber auch die Aussicht links ändert sich, jedoch weniger auffällig. Der Rhein verläuft nun nicht mehr an kleinen Strand ähnlichen Stellen unmittelbar neben dem Weg, sondern der Weg liegt nun erhöht und Wiese, sowie Büsche trennen Wanderer und Fahrradfahrer vom Wasser. Natürlich muss jetzt noch ein Reiher am Strand seinen Kopf in das Wasser stecken, meine Assoziation zum nördlichen Teil Deutschlands manifestieren sich.

 

 

Zweiter Crêpe auf der Fahrradtour am Rhein

Ich habe übersprungen, dass wir durch Port gebraust sind. Das hatte ich mir zuvor als evtl. erste Anlaufstelle für eine Pause herausgesucht. Es dauerte dann aber auch nur knapp 30 Sekunden, bis wir da auch wieder rausgebrettert sind, auch wenn es mich im Nachhinein schon interessiert hätte, ob man nicht doch vielleicht dort kurz sich einen zweiten Crêpe hätte rein knallen sollen.

Nach Porz und nach reicher Siedlung, nach Fischreiher und nach noch ein bisschen Natur schaffen wir es zum Hafen Zündorf. Da liegen nicht nur ein paar schnieke Boote für reiche Leute, sondern dahinter liegt auch ein beeindruckendes Hafenbecken. Auf der rechten Seite des Beckens entsteht so etwas wie eine langgezogene Insel, die natürlich ebenfalls, wie der Rest der Strecke, optimal für Fahrradfahrer gemacht ist. Der Weg verläuft dann durch so eine Art Park. Immer wieder gibt es hier die Möglichkeit durch Büsche im Hintergrund die Stadt Zünddorf zu sehen, die allein von dem Kirchendach und den winzigen Ausblicken absolut eines meiner nächsten Ziele sein wird. Ich vergesse hier natürlich Fotos zu machen, ich muss aber auch ehrlich sein – langsam, noch vor der Hälfte der Gesamtstrecke wird es ganz schön anstrengend.

 

 

Bergpartien am Horizont

Jetzt wird mir auch, trotz perfekter Strecke, allmählich bewusst: Das Ganze wird nicht nur anstrengend, sondern die Fahrradtour am Rhein wir auch noch einiges an Zeit in Anspruch nehmen. Wir sind seit über zwei Stunden unterwegs, mit vielen kleinen Unterbrechungen, haben allerdings immer noch nicht mal die Hälfte erreicht, und so langsam bekomme ich schon Schmerzen im Rücken. Ich bin wirklich nicht fit.

Wir fahren von der “Insel” ab, schaffen wieder Strecke und verlassen grüne Aussicht für gelb, rötliche Aussicht. Wieder unerwartete wechselt die Umgebung von offenem Wald zu weitflächigen Feldern. Wir bleiben stehen, mustern die Wälder im Hintergrund und versuchen zu erraten, welche Bergpartien sich an dem Horizont langziehen.

 

 

Wir schlängeln uns in das Nirwana

Und das Feld zieht sich jetzt. Vor allem dank dem Wind. Das erste Mal müssen wir hier jetzt auch Anfang auf die Karte zu schauen, diese ein wenig zu beobachten und versuchen, nicht zu oft einen falschen Weg einzuschlagen. Der Weg, nachdem wir uns nämlich richten, scheint einfach einmal an der falschen Stelle nicht dem korrekten, vorgeschlagenem Weg gefolgt zu sein. Und genau dies führt auch uns kurzzeitig ins Nirwana.

Aber es ist das letzte Stück, der sich nochmal kurzzeitig durch eine winzige Waldpassage schlängelt, die als Wanderweg auf der Karte mit hohen Bewertungen ausgezeichnet wurde. Auch dieses Stück verlassen wir noch immer hoch motiviert, und schaffen es auf das letzte Stück, unmittelbar vor der Hälfte der Tour. Auf einer leichten Erhöhung zu den umliegenden Feldern, einem lang, geschwungenem Weg, extra für die Biker, setzen wir unsere Fahrradtour am Rhein fort.

 

 

Keine weitere Brücke führt zurück

Plötzlich schwirrt mir im Kopf: Vielleicht ist da gar keine Brücke, mit der wir auf das andere Ufer kommen. Ich bleibe mit dem Fahrrad stehen, öffne mir Maps und zoome an das anvisierte Ziel. Da ist tatsächlich keine Brücke. In mir macht sich ein wenig Panik breit. Müssen wir am Ende mit einer Fähre über den Rhein fahren? Fährt diese überhaupt?

Wir machen ein letztes Mal Pause, bevor wir in Erfahrung bringen, ob und wie wir über den Rhein kommen. Wir setzen uns auf erhöhter Bahn unter starkem Gegenwind auf eine Bank, mitten auf einem Feld. Vor uns liegt eine kleinere, ländlichere Siedlung und dahinter eine Schnellstraße.

 

 

Gegenwind auf dem Weg zur Fähre

Der Gegenwind macht uns auch hier noch die letzten Meter ein wenig schwieriger, als die zuvor. Gerade auf dem Feld, wo wir keinen Schutz von Bäumen, Wäldern etc. erhalten. Doch wir können bereits erahnen, hinter der nächsten Kurve versteckt sich der Anlage Platz der Fähre. Natürlich verfahren wir uns erst noch einmal.

Und dann stehen wir da am Steig auf einmal. Wie an einer Bushaltestelle stehen Zeiten an einem Schild, wann und wie oft die Fähre fährt. Unsere Sorge war völlig zu Unrecht. Denn die Fähre kommt mehr als regelmäßig, ist sogar im Zweifel via Telefon zu erreichen, damit diese schnell zu der eigenen Seite fährt. Was wir bezahlt haben, weiß ich nicht mehr, es waren definitiv weniger als 5 Euro.

 

 

Auch ab der zweiten Hälfte bleibt die Strecke perfekt

Der Mann, der uns auf die Fähre lässt, ist auf jeden Fall sehr nett. Auch der alte Mann am Steuer der Fähre, der für sein beeindruckendes Alter noch extrem präzise die Fähre manövriert, ist ein absoluter Hingucker. Wir steigen mit unseren Fahrrädern auf die Fähre und fahren innerhalb weniger Sekunden auch direkt los.

Und ja, was soll ich sagen. Ab diesem Zeitpunkt ist mir dann ein wenig die Lust an Aufnahme, Fotografieren und Analyse verloren gegangen. Obwohl auch ab hier, der Weg zurück, noch sehr viele wunderschöne Ecken hatte. Pause haben wir nur noch einmal gemacht, kurz um etwas zu essen und zu trinken. Und das war ein Fehler, den mein Arsch hat es danach kaum ausgehalten sich nochmal auf den Sattel zu setzen. Zumindest war es bis zuletzt eine wundervolle Fahrradtour am Rhein, die mit abwechslungsreicher Kulisse & Natur bis zuletzt nicht geizt.

 

 

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