Moos auf einem Ast in Ratingen
Moos auf einem Ast in Ratingen

Irgendwo Ratingen

51º18'47.939 | 6º52'23.714

Moos auf einem Ast in Ratingen
Dauer
02:14 H
Distanz
8,43 km

Ratingen ist jetzt nicht wirklich mein erstes Ziel, wenn ich an die frische Luft möchte. Ratingen wird auch in Zukunft nicht mein zweites oder drittes Ziel werden. Ehrlich gesagt ist Ratingen zum “Abenteuer erleben”, bzw. spazieren oder wandern gehen kaum geeignet. Ich tue allerdings auch gerade so, als wäre ich häufiger als zweimal dort gewesen. Als hätte ich jeden Teil in und um der Stadt gesehen.

Ehrlich gesagt: Ich habe keine Ahnung von Ratingen. Meine einzigen Erfahrungen der Waldbezirke von Ratingen stammen von diesem einzigen Tag und dieser war rein von der Bildgewalt eher frustrierend, auch wenn die Wanderung dennoch Spaß gemacht hat. Ich fahre mit zwei Freunden zusammen nach Ratingen Allscheidt. Wir packen unsere Sachen und laufen an der Hauptstraße entlang Richtung Feld. Das Wetter ist mäßig, eher kalt – Bock ist aber da.

 

 

Meeresrauschen dank Autobahn

Wir navigieren mithilfe von einer Geocaching App uns immer weiter Richtung Wald! Dabei beachten wir absolut keine Schilder, keine Markierungen. Wir richten uns ausschließlich nach Fund-Koordinaten, da oft genau dort schöne Spots sind, an denen ein paar coole Fotos geschossen werden können. Sobald wir jedoch in die Nähe des Waldes gelangen, nervt ein ununterbrochenes Meeresrauschen von der Autobahn.

Und je tiefer wir in den Wald hineingehen, desto weniger entfernen wir uns gefühlt von der Autobahn. Das mag wohl daran liegen, dass das ausgerechnet das Waldstück, welches wir uns ausgesucht haben, parallel zu der Autobahn führt. Ein oder zweimal überqueren wir sogar eine Brück über diese Bahn. Wir landen dann jedoch auf der jeweils anderen Seite wieder nur auf einem anderen parallel liegenden Weg.

 

 

Große Lichtung mit alter Zugstrecke

Wir müssen wirklich mit bewusstem Willen einen Weg einschlagen, der in eine völlig andere Richtung führt, als die, dir wir eigentlich spontan geplant hatten, um von dem Lärm wegzukommen. Dabei entfernen wir uns aus dem wirklich trostlosem, uninteressantem Waldstück und laufen über eine große, deutlich spektakulärere Lichtung, die sich 20 Minuten in die Länge zieht. Hier sind weder Stadt, Autos oder sonstige Geräusche zuhören, denen du bewusst bei solch einem Rundgang entkommen möchtest.

Der Weg bleibt jedoch ereignislos. Die Lichtung sorgt für circa 5 Minuten Gesprächsstoff, bis wir auf den einzig wirklich spannenden Spot “On Road” stoßen. Dabei handelt es sich um eine noch aktive Zugstrecke, die nah genug am Wanderpfad anliegt, als das man mit wenigen Schritten auf die Gleise steigen könnte.

 

 

Ritualmord im Nadelwald

Dazu muss ich sagen, dass man nun wirklich nicht für dieses eine dann doch nicht so spektakuläre Bild extra diesen Weg auf sich nehmen sollte. Es ist und bleibt halt einfach nur zumindest das interessanteste auf der gesamten Strecke. Und das auch nur dann, wenn man wie ich in Strommasten, Kabelleitungen und so Zeug, von dem ich im echten Leben nicht mal den blassesten Schimmer habe, eine romantische Assoziation besitzt.

Wir vertrödeln ordentlich Zeit bei der Suche nach einer wirklich gut versteckten Brotdose. In dieser steckt eine Nachricht, die uns darauf hinweist, dass wir uns am absoluten Mittelpunkt von Ratingen befinden. Ich bin glücklich, denn von hieraus kann ich endlich wieder auf die Autobahn in der Ferne schauen.

Da der Pfad nicht so wirklich schöne Motive bietet, unsere aktiv verursachte Albernheit uns in kindisches Wohlfühlen umspringt und wir zwangsläufig einen Wechsel erzwingen wollen, fallen wir vom Weg ab und machen das, was in einem Horror-Film als absolutes No-Go gilt. Wir laufen in den Bereich des Waldes, der absolut nach Ritualmord ausschaut.

 

 

Schatz im Waldstück Ratingen

Und jetzt bin ich mir auch garnicht mehr so sicher, ob wir da eine Windel oder irgendetwas anderes gefunden haben, womit man nur an dieser Stelle automatisch etwas unheimliches verbindet. Wir laufen auf jeden Fall vollkommen willkürlich durch ein Nahtlos, perfekt gepflanztes Tannengebiet. Springend, beinahe tobend, durchreiten wir dieses Stück und landen schlussendlich einfach wieder auf dem Weg.

Am Wegesrand, der Übergang von Tannendickicht zu lahmen Pfad, hängt dann auch noch so ein großer, grüner Ball, indem tatsächlich maximal unbewusst der letzte Hinweis zu dem Rätsel steht, welches wir nicht mal im ersten Teil nur annähernd lösen konnten.

Es wird aber auch dunkel. Selbst der in die Hände gelegte Hinweis zu dem Schatz des Waldes, oder noch einer weiteren bescheuerten Brotdose, den wir nur mal am Rande ebenfalls nicht lösen konnten, bringt uns nicht dazu weiter in diesem Teil der Natur zu bleiben. Wir schleichen belustigt zurück zum Auto, ehe es vollständig dunkel wird. Wir fahren mit bock auf ein weiteres Mal heim. Nur Ratingen muss es erstmal nicht mehr sein.

 

 

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