Fingerhut im Arboretum Burgholz
Fingerhut im Arboretum Burgholz

Samba am Arboretum Burgholz

51°13'25.7"N | 7°07'29.2"E

Wanderweg durch das Arboretum Burgholz
Dauer
01:42 H
Distanz
7,42 km

Noch vor einiger Zeit habe ich in Wuppertal gewohnt. Vielleicht dabei ein bisschen wenig die Stadt gelebt. Denn bis auf die Innenstadt und manchmal die Trasse habe ich wenig von den schönen Seiten der Stadt gesehen. Was wohl auch dazu führte, dass ich die Stadt für Köln verließ. Hätte ich in Wuppertal bereits die Wanderlust besessen, Orte besucht wie das Arboretum Burgholz, die ich mir heute angeeignet hätte, gäbe es zumindest schneller eine größere Auswahl als heute.

Ich treffe mich mit zwei Freunden in Wuppertal, dort wo sie mit ihrem Hund immer spazieren gehen. Das bedeutet, ich habe absolut keine Ahnung wo wir Wandern gehen, was mich dort erwartet und wie lange es dauern wird. Selten gibt es bessere Voraussetzungen. Denn dann handelt es sich nicht unbedingt um einen markierten Weg, sondern oftmals um eine Strecke, die bereits mehrmals von denselben Personen begangen wurde & von Zeit zu Zeit verfeinert und verbessert wurde.

 

 

Steiler Aufstieg am Anfang

Für mich beginnt die Strecke als absolut unmöglich zu erreichen. Ich fahre bis heute selber kein Auto, und um diese Tour beginnen zu können, bedarf es nun halt einen Führerschein. Unmittelbar an der Autobahn befindet sich ein versteckter Parkplatz. Auf diesem wird das Auto platziert, der Hund wird an der Leine festgemacht & wir beginnen in großen Schritten den Aufweg. Denn wie meine Weggenossen mir mitteilen: Am Anfang muss es immer den Berg hochgehen. Am Ende einer Wanderung einen Berg hinaufzusteigen gleicht Schmutz.

Während ich mir Gedanken über die Worte meiner Wanderkollegen machen, überdenke ich Touren, bei denen es zwangsläufig nicht anders geht, wie z.B. die Wanderung entlang der Burg Eltz, die nun mal im Tal liegt. Ich denke jedoch auch an den langen Abstieg aus Esch & wie angenehm es ist, von Anfang an nur sanft den Berg hinabzugehen. Und die Zeit um darüber nachzudenken kann ich mir auch nehmen, denn es geht wirklich eine ganze Weile einfach steil Berghoch. Und da ist nicht mit viel Aufnahmemöglichkeit um einen herum.

 

 

Wo ist die Burg in Burgholz?

Irgendwann dann senkt sich natürlich die Neigung und es geht jetzt deutlich langsamer zur Spitze. Während Unterhaltungen über Politische Korrektheit geführt werden, nebenbei ein paar Schießübungen mit einer Zwille betrieben werden, komme ich erstmalig dazu mir ein Bild über das drumherum zu vermitteln. Burgholz hat keine Burg. Zumindest sehe ich keine. Dafür verdammt viel Holz. Dabei wechseln Arten, Größe & und Anordnung zufällig.

Für einen Wald nahe einer Großstadt wirkt dieser beeindruckend natürlich. Mir fallen auf den ersten Blick keine offensichtlichen Beeinflussungen durch den Menschen auf, bis natürlich auf den breiten Weg, auf dem auch ein Auto fahren könnte. Wir schlängeln uns nun seitlich, mit deutlich weniger Steigung, langsam den Berg hinauf.

 

 

Unterstand an Wegkreuzung

Wir erreichen einen Wegpunkt. An einer Kreuzung errichtet, liegt ein Unterstand. Eine Gruppe von Fahrradfahrern ruht sich auf abgeschlagenen Baumstämmen unter jenem Unterstand aus. Wir könnten nach dem Aufstieg, der sich rückbetrachtend schon eine ganze Weile gezogen hat, auch eine kurze Pause vertragen. Wobei mein Problem gerade mehr mein Rauchen und meine fantastische Planungsfähigkeit ist, mit der ich selbstverständlich bestens vorbereitet wieder mal 17 Flaschen Wasser eingepackt habe. Oder halt auch keine.

Auf der Karte an dem Unterstand finden wir einen Weg, der uns innerhalb weniger Minuten zu der langen Fahrrad Trasse von Wuppertal bringt. Und direkt an unserem Ausweg zur Trasse befindet sich dann auch ein kleiner Ausschank. Absolute Rettung für mich! Wir gönnen uns jeder mindestens ein Weizen und meinen Magen fülle ich ebenfalls. Der Laden muss ein absoluter Selbstläufer sein. Dann machen wir uns auf den Weg zu Arboretum Burgholz.

 

 

Arboretum Burgholz

Wir stiefeln wieder ein Stück zurück, bis auf die Höhe des Unterstandes. Von dort aus geht es anschließend nicht mehr Berg hoch, sondern nur noch Bergab. Weniger steil, weniger schnell. Zu meinem Leidwesen müssen wir an einem Wespenloch vorbei. Natürlich interessiert mich brennend, wie viele Wespen zu sehen sind, wenn ich von oben in das tiefe Loch hinein schaue. Aber bevor ich auch nur einen kurzen Blick erhaschen kann, werde ich bereits zweimal gestochen und verpisse mich schnellstmöglich mit meiner Begleitung.

Und so ein Wespenstich ist echt nervig. Lenkt aber zum Glück nicht zu stark von dem auf einmal auffälligen, seltsamen Bäumen ab. Wir befinden uns nun mitten im Arboretum Burgholz. Auf einer kleinen Bergspitze können wir tief in das bewaldete Tal hinein schauen, aus dem hohe Bäume hervorstechen, mit einzelnen, schuppigen Tentakeln geschmückt sind. Von dieser Art Bäumen erblicke ich allein von hier mindestens drei Stück.

 

 

Der Charme des Waldes

Ich habe wirklich absolut keine Ahnung wie es genau in Kanada ausschaut, aber so wie es mitten im Arboretum Burgholz ausschaut, stelle ich es mir zumindest bildlich in den Regionen vor, wo es nicht permanent schneit. Die Rinde der umliegenden Bäume wirkt weniger steif und roh, sondern weicher, fast wie Haar. Es hängt von großen Stämmen in einem leichten rot-braun Stich herab.

Das ist mit Abstand auch der auffälligste Teil der Wanderung. Während zuvor der Charme des Waldes sein natürliches Dasein war, wirkt mitten im Herzen dieser Wanderung das herumliegende Geäst nun wie ein Bug. Also wie, als ob jemand die falschen Texturen in den Wald gestempelt hätte. Es findet sich hervorragend in den Rest hinein, aber es gleicht keiner Stelle des restlichen Waldes. Wir setzen unsere Wanderung fort, immer entlang einem nunmehr schmalen Weg, der stetig am verwachsenen Abhang entlang führt.

 

 

Hölzerner Schrei nach dem Arboretum Burgholz

Bevor wir aus dem Arboretum Burgholz wieder entlaufen, schmückt noch eine kleine, hölzerne Figur den letzten Abstieg. Ohne Beschilderung und ohne Erklärung. Ein bärtiger, alter Mann wurde in einen Holzstamm eingeschnitzt. Nicht weit entfernt von der Figur, finde ich noch einen ähnlichen Stamm. Dieser wurde jedoch nicht geschnitzt oder bearbeitet, sondern wirkt von völlig alleine, als ob er schreien würde.

Wir kommen wieder am Parkplatz an. Tatsächlich merke ich die wenigen Höhenmeter in den Knochen. Ich bin ein wenig fertig und freue mich darauf, mich kurz in das wartende Auto zusetzen. Am Bahnhof werde ich rausgelassen. Ich steige in die Bahn und fahre zurück nach Köln, leicht nachdenklich darüber, dass ich in Wuppertal vielleicht ein bisschen früher auf den Gedanken hätte kommen sollen, mir mehr als nur die Stadt anzuschauen. Das Arboretum Burgholz war auf jeden Fall fantastisch und bis zu diesem Tag hatte ich noch nie etwas davon gehört.

 

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