Städtetour im Wandertrip

5 Punkte für und gegen Wanderungen teilweise durch die Stadt

Wenn ich abends, nach der Arbeit noch ein wenig herausgehen möchte, lande ich in der Regel bei einer “beinahe” Städtetour am Rheinhau-Hafen. Und auch dort fühle ich mich, ähnlich wie in Wäldern oder auf Felden immer sehr wohl. Von Anfang an lasse ich mich dann aber auch darauf ein. Ich weiß, dass ich an das Wasser möchte, ich weiß wie es dort ausschaut. Ich kenne das Ambiente, den Schlag Menschen, der dort schwirrt und an welchen Stellen ich ungestört bin.

Jetzt ist es aber oftmals so, dass bei spontaneren Wanderungen, bzw. bei Touren, für die du nicht extra in die Eifel oder in die Alpen fährst, oftmals ein Teilbereich durch Städte führt. Zum Beispiel auf dem Weg zwischen Gerresheim und Erkrath führt nach einer wundervollen ersten Hälfte, die zweite Hälfte fast komplett durch die Stadt. Das kann in einigen Beispielen ein tolles Erlebnis sein, in den meisten Fällen enttäuscht es jedoch. Hier findest du nun einige Punkte, die du vor der Auswahl der nächsten Route beachten kannst.

  1.  Architektur
  2. Abwechslung
  3. Food & Trunk 
  4. Geschichte & Kultur 
  5. Schnelle Erfolge
  6. Parks
  7. Ballung
  8. Geld
  9. Schnelligkeit
  10. Flucht

 

 

Architektur

Machen wir uns nichts vor, auf den meisten Wanderungen pur durch die Natur wirst du in den seltensten Fällen deinen Hunger an Architektur stillen. Insbesondere spezifische Baukulturen wie die Einheitlichkeit in Österreich oder der Schweiz ergeben oftmals auf ländlicheren Touren auch eine optimale Abrundung. Aber auch imposante Gebäude, wie die Kranhäuser in Köln, die Gehry-Bauten in Düsseldorf oder der Altenberger Dom in Odenthal sind super Start- oder Endpunkte toller Wanderungen. Sie sorgen für Schwung, bieten eine Alternative zu den organischen Strukturen auf dem natürlichen Wegen. Ich freue mich jedoch umso mehr, wenn ich auf einzelne architektonische Wunderwerke inmitten dem Grün finde, wie die Burg Eltz, Schloss Burg oder auch einzelne Kapellen oder Hütten oben auf Bergen. Es gibt also auch schöne Architektur in der Natur, jedoch deutlich weniger eindrucksvoll in den meisten Fällen, wie wenn dein Weg dich kurz durch die Stadt begleitet. Schau dir nur unbedingt bei unbekannter Route an, ob wenn du schon anderthalb Stunden durch die Stadt gehst, du denn auch wirklich an eindrucksvollen Stellen vorbeikommst. Wenn nicht, überprüfe die Stadt oder das Dorf, plane deinen Weg um.

 

Abwechslung

Ich mag das ja, wenn auf Wanderungen die Kulisse sich regelmäßig verändert. Also wenn ich von Feld in den Wald tauche, wenn mich ein See überrascht und am Ende dann noch auf ein verwinkeltes Dorf stoßeOptimal! Und gerade bei Dörfern, kleinere Städten und Vororten ist das ja manchmal, wie als ob du ein anderes Land betrittst. Sogar wenn es, wie in den meisten Fällen, es mich kurz durch ein Wohngebiet führt, bin ich ja schon neugierig, wie die Menschen da so wohnen. Für mich ist es einfach oft ein wichtiger Teil, der gerade nach sechs Stunden Wald eine tolle Abwechslung bietet. Aber nicht für jeden ist das was. Manche lieben es halt ganz konservativ. Gehe ich auf einen Berg, will ich auch nur das! Solche Tage habe ich auch. Aber sobald ich Hunger bekomme, freue ich mich, wenn am Horizont das Dach einer Kirche entdecke.

 

 

Food & Trunk

Das ist ja wohl das wichtigste. Wenn ich durch die Pampa laufe, dann will ich auch was zu essen bekommen. Auf den wenigsten Runden findet man ja einfach einen Food-Truck im Wald, ein Restaurant am See (dennoch häufiger) oder eine Hütte auf der Spitze des Berges. Kommt natürlich von Tour zu Tour an, aber insbesondere die Sonntags-Wanderer aus den Großstädten müssten oft einen extra Weg einplanen. Natürlich geht das am einfachsten, wenn ich den Abstecher vom Wanderweg in die Stadt nehme. Kurz auftanken, dann geht es wieder zurück. Auch wenn ich so natürlich nichts von der Stadt sehe.

 

 

Geschichte & Kultur

Hab ich eben gemeint, dass Essen am wichtigsten ist? Ich meine natürlich die Geschichte! Auf vielen Wegen entdecke ich Info-Tafeln, die mich darauf hinweisen, dass z. B. der See aus der Industriezeit stammt, das verlassene Bergwerk erst seit 10 Jahren leer steht, oder der Friedhof aus einem bestimmten Grund mitten im Wald steht. Und in den meisten Fällen haben diese Geschichten natürlich etwas mit den umliegenden Städten oder Dörfern gemeinsam. Wäre es da nicht schade kurz nach Gemeinsamkeiten zu schauen, vielleicht sogar mehr herauszufinden? In Großstädten macht es für mich meistens keinen Sinn, da man sich da spontan nie zurechtfindet. Aber bei einem überschaubaren Örtchen ist es eh immer spannend herauszufinden, welche unterschiedlichen kulturellen Aspekte sich schlagartig abzeichnen, oder welche Staturen vielleicht dort auf einen herabschauen.

 

Schnelle Erfolge

Und für Freunde der schnellen Erfolgserlebnisse: Städte & Dörfer sind natürlich viel schneller mit Highlights zufüllen. Permanent winken irgendwelche Schilder auf nahegelegene Monumente, Gebäude oder spannende Orte. Oftmals warten die Überraschungen schon hinter der nächsten Straße verborgen, während natürlichem im dichten Wald hinter der nächsten Abbiegung wahrscheinlich einfach nur Wald wieder auf dich wartet. Und wenn du durch Zufall den besten Döner der Stadt findest: Diese Geschichte lässt sich sicherlich häufiger und einfacher erzählen, als die des grob-wurzeligen Baumes, dessen Ranken quer über den Weg wabern.

 

 

Parks

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass viele Stadtnahe Wanderungen durch Parks und botanische Gärten führen und ich muss sagen: Ich finde es absolut scheiße. In den meisten Fällen bin ich schwer enttäuscht gewesen. Es ist regelmäßig voll, die Hälfte der Blumen blühen nicht und leider wird auch unglaublich viel Müll erst sehr spät beseitigt und natürlich überhaupt erst verursacht. Dabei will ich nicht strong gegen Parks und botanische Gärten hetzen, denn die haben mich wahrscheinlich erst darauf gebracht, häufiger in die Natur zu gehen. Aber wenn ich wandern will, dann mache ich da einen großen Bogen drum. Wanderwege auf denen Stadtparks Teil des Weges sind, versuche ich umzuplanen. Denn wenn ich schon Natur haben möchte, brauche ich keine Wiese, die mit der Nagelschere gleichmäßig geschnitten wurde.

 

 

Ballung

Es gibt da eine Sache, die mein Leben mit Corona vereinfacht hat: Die Menschen haben Abstand zueinander genommen. An Ampeln und in öffentlichen Verkehrsmitteln fällt es mir manchmal schwer die Ruhe zu bewahren, wenn man zum dritten Mal von Menschen um dich herum angestupst wurdest. Das ist aber mein Problem. Ich halte einfach gerne Abstand zu Menschen, denn ich bin kein Freund von unnötigen Körper-Kontakten. Das gilt natürlich nicht für alle, aber nach meiner Vorstellung freuen sich die meisten Wanderer über die kurze Einsamkeit. Viele Menschen an einem Ort bedeuten Lärm, Bewegung und vielleicht sogar ein bisschen mehr Vorsicht. Wenn ich sechs Stunden alleine auf dem Feld zur Ruhe gekommen bin, trifft es mich manchmal wie ein Schlag, wenn ich unmittelbar danach auf einem Marktplatz stehe und das Gewusel um einen herum beginnt. Wenn meine Strecke durch solche dichte Gebiete verläuft, kann es schonmal dazu kommen, dass meine Entspannung zuvor schnell wieder abnimmt. Aber hey, das ist wie alles hier rein subjektiv.

 

 

Geld

Aus irgendeinem Grund habe ich am Ende immer weniger in meinem Portemonnaie, wenn meine Strecke mich durch dieses winzige Dorf führt. Vielleicht liegt es daran, dass dieses Restaurant einfach so niedliche und Kultur ausschaut. Machen wir uns nichts vor, wenn die Möglichkeit da ist, dann wird halt schnell mal der Geldbeutel gezückt. Das passiert natürlich auch auf Almen, Ausflügen die das Verlangen und waldigen Biergärten. Aber dennoch: Es gibt auf diesen Stadtpassagen rein prozentual ja schon meistens auf einer Straße der Städtetour mehr Möglichkeiten etwas springen zu lassen, als auf dem Rest der Tour.

 

Schnelligkeit

Dieser Punkt ist ein Neben-Effekt, auf den ich schon häufiger selbst hingewiesen wurde. Schon steht man vor einem interessanten Laden, wird das Handy gezückt und fleißig gegoogelt. Und auf einmal liegt diese Winterjacke in meinem Warenkorb und auf Instagram folge ich auch schon diesem Unternehmen, sowie dem Tochterverein. Wenn jetzt nicht noch mein Mailpostfach eine offene 8 anzeigen würde, dann wäre das Ding vielleicht auch schneller wieder weg. Aber irgendwie wird man dann ja doch schnell angeleiert, von den Menschen vor einem, von den Menschen hinter einem und dann ist es doch auch egal, oder?

Ich bin da sehr anfällig für, sobald das Netz dafür wieder da ist, dieses auch zu nutzen. Merkwürdigerweise passiert dies nicht so häufig, wenn ich auf einem vermoderten Parkplatz eines Wanderwegs stehe, geschweige den mitten im Wald. Der Grund meines Heraus Kommens ist doch oft das Weglaufen vor solchen Dingen. Bewegung um einen, sorgt jedoch genau für das Gegenteil. Ich bin der Meinung, dass die Städtetour immer Geschwindigkeit bedeutet. Zumindest mehr, wie wenn ich auf 700 Höhenmetern stehe und die Wiese vor mir bewundere.

 

 

Flucht

Und das ist meiner Meinung nach der wichtigste Punkt, der gegen die Städtetour auf Wanderwegen spricht. Wenn ich mir die Zeit nehme, um in der Natur zu wandern, dann kann ich auch einfach mal der Stadt für einige Stunden entfliehen. Das tut nur gut. Und wenn mich etwas besonders an der nahen Stadt reizt, ja dann fahre ich halt gesondert da nochmal hin. Ich will ja für den Tag der Wanderung dem Alltag entfliehen und nicht in denselben, nur woanders, wieder reinspringen.

Aber hey, das gilt für größere Städte. An Orten wo Dörfer liegen, wo maximal 5000 Einwohner leben, da ist das natürlich schon etwas anderes.
Ehrlich gesagt bin ich mir auch immer etwas unsicher. Aber man kann ja auch nie genau wissen, ob das Städtchen vor einem Trubel birgt, oder die beste Aussicht über Tal vor einem.

Es gibt sicherlich hunderte, weitere Punkte die ganz klar dafür und ganz klar dagegen sprechen. Wenn dir etwas dazu einfällt, würde ich mich natürlich darüber freuen, wenn du diesen Gedanken mit mir teilst. Du findest ein Kommentarfeld unter meiner Newsletter-Anmeldung, in der du dich natürlich auch gerne eintragen darfst. Außerdem freue ich mich, wenn du mir auf Facebook oder Instagram folgen würdest 😉

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