Das Bachtal in Erkrath
Das Bachtal in Erkrath

Zwischen Erkrath & Gerresheim

51°13'55.4"| N 6°53'08.5"E

Pamanora Dominik Raucht auf dem Feld
Dauer
02:35 H
Distanz
11,9 km

Eigentlich war es geplant, nach Leichlingen zu fahren. Aber eigentlich sollte ich mich auch nicht verspäten. Wir haben 14:00 Uhr & die Strecke nach kurz vor Köln ist uns jetzt zu lang. Wir fahren deswegen mit dem Auto bis an das westliche Ende von Erkrath. Dort platzieren wir unser Auto auf dem letzten Parkplatz, bevor die Hauptstraße auf eine ländliche Schnellstraße führt. Auf dieser Schnellstraße befindet sich noch relativ weit am Anfang, auf der rechten Seite wenn man Richtung Erkrath fährt, ein größeres Anwesen. Früher als Kind vermutete ich immer Schloss Einstein dahinter. Heute weiß ich, es handelt sich um eine Art Schulungszentrum für Erwachsene, indem man zumindest den Bildern zu urteilen nach Chemie und Physik-Kram lernt. So abwegig war meine Idee also nicht. Wir starten unsere Wanderung zwischen Erkrath & Gerresheim.

Wie auch immer, wir parken auf dem Parkplatz und biegen noch vor der Schnellstraße ab auf den Morper Park. Da scheine ich mein Leben lang einfach starr dran vorbei gefahren zu sein. Denn der Morper Park entpuppt sich als wirklich großartig auf den ersten Blick. Mit einem romantischen kleinen Teich geschmückt, auf dem eine Ente seelenruhig Model steht, einigen kleinere Alleen und einem größeren Gebäude am Rande des Parks bietet dieser einen kurzen, aber angenehmen Rundgang.

 

 

Zwischen Erkrath & Gerresheim liegt Schloss Einstein

Wir laufen jedoch nicht den Rundgang, sondern verlassen den Park am anderen Ende wieder. Dabei folgen wir einem schmalen, verwachsenen Gang, stetig parallel zu einem dünnem Bach, der am Ende unseres Weges an einem kleinen Landwirtschaftsbetrieb mündet. Wieder einmal bin ich fasziniert, wie viel Schönheit sich dann doch so oft unmittelbar an Stadt oder Straße heimlich versteckt und nur gefunden werden muss. Der schmale, etwas dunkle Weg verläuft auf ein anliegendes Feld. Schloss Einstein wird nun erstmalig von uns von der anderen Seite sichtbar. Leider ist noch immer Straße und Zugstrecke zu vernehmen.

Doch gerade sprechen wir die Sorge aus, dass auf der gesamten Strecke vielleicht immer leicht das Rauschen der Straße zu hören ist, stehen wir vor einem Tunnel, über den die Regionale Bahn fährt. Wir durchqueren die überdachte, dunkle Gasse und landen schnellen Schrittes tiefer im Wald. Und von hier ist dann auch weder Eisenbahn, noch Straße mehr zu hören.

 

 

Der Weg in das Bachtal

Bereits auf unserem kurzen Weg entlang der Düssel hatten wir beide Freude daran gehabt, die möglichst beschissensten Stock-Images von uns zu schießen. Und natürlich können wir es auch heute wieder auf unserer Wanderung zwischen Erkrath & Gerresheim nicht sein lassen. Wir posen auf Stämmen, die geformt sind wie Surfbretter und machen die klassischen Posen, die auf jedem Sommerwerbeplakat zu sehen sind. Wir zeigen auf Bäume und tuen so, als ob wir einen Schatz gefunden hätten und stellen uns in dichtere Gebüsche um wie Forscher aus dem Urwald heraus zu kraxeln.

Unser kleiner Waldaufgang, nach dem Tunnel, führt uns auf eine leichte Erhöhung, von der aus wir durch das Geäst hindurch wieder das offene Feld erblicken können, auf dem für uns nun nicht mehr sichtbar, irgendwo auch noch Schloss Einstein liegt. Nach einer Biegung um diesen Hügel, verlieren wir die Sicht und blicken nun auf ein Tal, welches auf der genau gegenüber liegenden Seite ruht. Wir hören Stimmen und folgen dem Laut spielender Kinder.

 

 

Rotthäuser Bach läuft auch zwischen Erkrath & Gerresheim

Es muss eine Schulklasse sein, vielleicht auch nur eine sehr große Familie, aber viele Kinder spielen an einer Weggabelung mit ihren Eltern am doch noch weiterlaufenden Bach. Ich hatte mich natürlich vertan, denn der Bach sollte nicht an der Landwirtschaft münden, sondern uns die Hälfte unseres Weges noch weiter verfolgen. Dabei handelt es sich um den Rotthäuser Bach. Und es ist ein schöner Ort um mit den Kindern ein wenig in Wassernähe zu verbringen. Nostalgisch erinnere ich mich an Erinnerungen aus meiner Kindheit, wie ich mit Freunden durch die Düssel lief.

Wir biegen jedoch in die andere Richtung ab, folgen also nicht weiter dem Bach, sondern laufen weiter an dem Feld entlang. Und nach einer kleinen Biegung der breiten Straße blicken wir auf ein herrlich, grünes Tal, an dessen Ende ein mittelgroßer Teich, sowie ein Bauernhof grenzt.

 

 

80% Telefonieren, 20% Schwärmen

Wir verbringen eine ganze Weile auf diesem offenen Tal, atmen die eingebildete Landluft, die natürlich viel besser ist, als die in der Stadt. Vielleicht ist da ja auch wirklich etwas dran. Im Nachhinein wird sich das ruhige Fleckchen im übrigen als das größte Highlight dieser Tour herausstellen. Ich Volltrottel bin nur leider 80 Prozent meines Aufenthalts mit Telefonieren beschäftigt und verpasse das aufsagen dieser schönen Location vollkommen.

Hätte ich jedoch nicht ununterbrochen auf mein Handy Rücksicht nehmen müssen, würde ich an dieser Stelle wahrscheinlich erneut davon schwärmen, dass dieser Hof der Wunsch eines jeden Stadtkindes ist, welches der Geschwindigkeit entfliehen möchte. Insbesondere die Verbindung zu dem Bachtal macht diesen Ort als Wohn- & Arbeitsraum unglaublich. Könnt ihr euch vorstellen, das soetwas für viele Menschen völlig normal ist?

 

 

Pilze sind gefundenes Fressen

Wir verlassen das Bachtal auf einem schmalen, steinigen Weg, der definitiv nur für Wanderer ausgelegt ist. Die schweren landwirtschaftlichen Maschinen kommen hier zumindest keinen Meter hoch. Und natürlich folgt nach Feld wieder Wald, diesmal geht es auch ein gutes Stück berghoch. Und hätten wir nicht diese bescheuerten Stock-Images von uns geschossen, hätten wir wahrscheinlich nicht eine unglaubliche Menge Pilze an den Rändern eines toten Baumstammes gefunden.

Für mich gefundenes Fressen. Denn solche Strukturen habe ich bisher noch nicht fotografieren dürfen. Auch wenn ich natürlich schon hundertmal Pilze gesehen habe. Essen würde ich die allerdings nicht. Auch wenn ich in einem Podcast erst vor kurzem mich dazu inspirieren hab lassen, in geraumer Zukunft auch damit mich mehr auseinander zusetzen. Es gibt ja wohl kaum mehr etwas, was dich zum absoluten Outdoor-Boy machen lässt, als ein gutes Kenntnis darüber, welchen Hut du dir in die Fressluke reinhauen darfst oder nicht.

 

 

Outdoor-Boy schmunzelt über flaches Spatzennest

Ich bin aber natürlich sowenig Outdoor-Boy, wie Nerds nunmal outdoormäßig unterwegs sein können. Noch! Wir posen an den Pilzen dann ein wenig rum, schießen hier und da ein Foto und gleiten dann unseren Weg weiter. Die Spitze des Hügels haben wir erreicht, ab jetzt geht es wieder abwärts. Und sofort wird mir wieder bewusst, wie wenig Ahnung ich doch habe, sobald ich auch nur einen Schritt mich von meinem geliebten Computer entferne. An einem Baum, nahe einem kleinen Teich, wurde eine Art Vogelhaus montiert. Hätte mir meine Begleitung nicht erklärt, dass es sich um ein Fledermaus-Versteck handelt, hätte ich mich wahrscheinlich heute noch über die flache Vogelhütte amüsiert.

Einige Schritte weiter finden wir einen Baum, dessen Wurzeln den gesamten Weg vor uns bedecken. Der Baum wächst großflächig aus der Bodenerhöhung neben uns. Spannend ist dabei, dass große Loch, welches zumindest laut dem Internet ein Fuchsbau ist. Natürlich tummeln sich gerade keine der Tiere in der Nähe, bisher habe ich aber eh maximal vier mal in meinem Leben überhaupt einen Fuchs gesehen, davon mindestens dreimal in einem Wildpark oder Zoo.

 

 

Abwechslungsreichtum zwischen Erkrath & Gerresheim

Nachdem wir den Weg am Bach dann mit tiefsinnigen Gesprächen bis zuletzt füllen, entlaufen wir dem waldigem Teil der Wanderung und begrüßen weitere Aussicht über Felder. Wir laufen währenddessen an einer schönen, weiteren Scheune vorbei, genießen die weite Aussicht und planen den Rest unserer Route zwischen Erkrath & Gerresheim.

Wir erreichen die grobe Hälfte unserer Tour. Und die war bis hierhin auch wirklich wunderbar. Es überzeugt bis dahin vor alle dem der Abwechslungsreichtum, der stetige Lauf an dem Rotthäuser Bach, und vor alle dem die ruhigen Minuten im Bachtal.

 

 

Die perfekte Zigarette dampft bei weitem Ausblick

Und bevor wir die letzte Hälfte unserer Wanderung zwischen Erkrath & Gerresheim beginnen, erhalten wir noch die Möglichkeit diese eine, perfekte Zigarette zu rauchen. Auf einer traumhaften Bank, die perfekten Blick über Feld und Tal gewährt, nehmen wir für wenige Minuten Platz und genießen die Umgebung mit Zigarettendampf.

Ursprünglich, vor vielen Jahren, bevor ich umgestiegen bin auf dieses lächerliche Elektro-Gedöhns, war es sogar mal mein Plan ein Buch zu schreiben, über die Weltbesten Spot für diese eine, besondere Zigarette. In der Realität aber natürlich kompletter Quatsch. Gerade zu Zeiten, wo es angebrachter ist Bücher über das Aufhören zu verfassen, will ich, bis auf wenige Worte, natürlich nicht dazu verleiten. Insbesondere wenn ich an solch schönen Plätzen dann auch noch ständig Zigarettenstummel auf der Erde liegen sehe.

 

 

Jüdischer Friedhof & alte Tempel

Auf der zweiten Hälfte unserer Strecke stoßen wir auf weniger, einzigartige Strukturen in den Landschaften. Eigentlich stoßen wir garnicht mehr auf unberührt wirkende Natur. Wir laufen nun an einer befahrenen Straße entlang, überqueren diese jedoch schleunigst und erreichen dann ein kleines Dorf aus Schrebergärten.

Ab hier laufen wir sicherlich eine Stunde an Straßen entlang. Wir überlaufen einen Sportplatz, einige ruhigere Stellen der Stadt und am Ende wieder eine Hauptstraße. Doch als wir uns schon einig sind, dass die Wanderung, die damit einhergehenden Landschaften vorbei seien, stoßen wir auf eine Abzweigung, die uns zurück in den Wald leitet.

Und da stoßen wir auch wieder ziemlich schnell auf die Einzigartigkeit, die uns gerade noch gefehlt hatte. Wir sehen eine alte Ruine und finden diesen merkwürdig-unheimlichen jüdischenn Friedhof. Um den Friedhof, der lediglich aus wenigen Grabsteinen besteht, wurde ein Zaun montiert. Nach dem Schild zu urteilen, wurde dieser errichtet, da leider oftmals nach dem zweiten Weltkrieg diese Grabstätte entehrt wurde.

 

 

Nature Comes Back

Wir werden durch den Wald zu unserer ursprünglichen Route zurück geschlängelt. Dabei laufen wir wieder eine ganze Weile berghoch. Für Wanderer mit kurzen Hosen im übrigen absolut ungeeignet. Ab hier ist der Weg nämlich wie eingeschlafen und seit Jahren nicht gepflegt. Die Pflanzen ranken weit über die Schrittflächen, links und rechts geht es teilweise sofort steil bergab.

Ich könnte mir vorstellen, dass insbesondere für Dirt-Biker dieser Abschnitt beliebt ist. Es dauert auch gerade mal zwei Minuten, bis uns der erste entgegen radelt. Wir gehen einen steilen Berg ab und landen an der Kreuzung, an der vor wenigen Stunden noch die Kinder im Bach spielten.

 

 

Resümee: Gerne wieder!

Wir laufen noch circa 25 Minuten zurück. Dabei schaffen wir es immer wieder einen Weg einzuschlagen, der nicht dem unserer Hintour gleicht, auch wenn es immer nur parallel liegende Passagen sind. Durch den schönen Park schaffen wir es dann schnell zurück zum Auto. Wir steigen ein und fahren heim.

Bis auf die zweite Hälfte der Strecke wirklich unglaublich schön und kaum zu vergleichen. Gerade durch die kleinen, verborgenen Schätze, wie z.B. den jüdischen Friedhof sorgt die Tour für einen überraschenden Flair, der sich bis auf die letzten Meter konsequent durchzieht. Deutlich Empfehlungen für den nahen Wanderaustritt, gerade interessant für Leute aus Erkrath & Gerresheim.

 

 

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